Warum gute Lernangebote trotzdem ungenutzt bleiben
Ich sehe das immer wieder: Ein Lernangebot, in das ein Team, vielleicht sogar eine externe Agentur, wirklich viel Arbeit gesteckt hat. Sauber strukturiert, didaktisch durchdacht, aufwendig produziert. Und nach dem Go-Live nutzen es plötzlich weniger Menschen, als geplant war.
Der erste Reflex ist fast immer: Der Inhalt war wohl doch nicht gut genug. Vielleicht das Format überdenken, die Module kürzen, ein neues Design.
Aus meinen letzten 2 Jahren in der Arbeit mit dem Fokus auf Einzelunternehmerinnen kenne ich die andere Seite dieser Gleichung sehr genau. Bei ihnen entscheidet fast nie der Inhalt allein, ob ein digitales Produkt läuft. Es entscheidet der Launch: wie ein Angebot angekündigt wird, wer wann welche Nachricht dazu bekommt, wie oft und wie gezielt darauf hingewiesen wird, bevor überhaupt jemand startet.
Es geht vor Allem um die perfekte Vermarktung.
Und unter anderem diese wertvolle Erkenntnis kann ich aus meiner Zeit in der Arbeit mit Einzelunternehmerinnen in die Welt der Erwachsenenbildung mitnehmen.
Hier ein Bild von einer Marketing-Maßnahme meines Gruppenprogramms “Ellivate Ideas”.
Marketing ist als Einzelunternehmerin das A und O, um zum Kauf zu motivieren. Erst danach erfolgt die Konsumation des Lerninhaltes.
In Unternehmen fehlt dieser Schritt meist fast komplett. Ein Lernangebot wird fertiggestellt und hochgeladen. Dazu kommt vielleicht ein Blogartikel im Intranet, ein Absatz im Newsletter der internen Kommunikation, eine E-Mail mit Link. Häufig reicht sogar nur die Ansage, dass ein Lernangebot jetzt zu absolvieren ist.
Es gibt keinen Launch.
Dabei ist ein Launch dafür da, den Mehrwert eines Lernangebots zu kommunizieren.
Der Unterschied ist entscheidend. Menschen nehmen sich Zeit für etwas, wenn sie verstehen, warum es für sie relevant ist. Dass ein Lernangebot irgendwo verfügbar ist, reicht dafür allein selten aus. Genau diese Übersetzungsarbeit, aus einem fertigen Lernangebot eine Botschaft zu machen, die ankommt, fehlt in den meisten L&D-Prozessen.
Was das in der Praxis heißt: eine klare Ankündigungslogik statt einer einmaligen Info-Mail. Mehrere Kontaktpunkte statt einem. Eine Botschaft, die erklärt, was jemand konkret davon hat, statt nur, dass es jetzt verfügbar ist. Und eine Erfolgsmessung, die nicht zählt, ob ein Modul fertig produziert wurde, sondern ob es tatsächlich genutzt wird.
Das kostet keine tausend zusätzlichen Arbeitsstunden. Es braucht vor allem eine Perspektive, die in den meisten L&D-Teams bisher fehlt.
Wenn Sie ein Lernangebot haben, das besser läuft, als es aktuell genutzt wird, lassen Sie uns im Erstgespräch darüber sprechen, wo der Hebel liegt.

